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Einige einleitende Worte des Autors


Das älteste Sprichwort ist wohl:
Allzuviel ist ungesund.
(Georg Christoph Lichtenberg)

Unser Fürst-Pückler-Kochbuch möchte Sie in das interessante, für die Entwicklung von Naturwissenschaften, Technik und Gastronomie/ Gastrosophie so wichtige 19. Jahrhundert, das Jahrhundert Pücklers entführen. Mit dem Fürsten Pückler bedienen wir uns eines selten interessanten Führers, dessen Lebenslauf selber einem Musikstück, nämlich einer Sinfonie von Brucknerschem Format ähnelte. Dissonanter Kindheit und Jugend folgten stürmische Schaffensjahre, großartige Bilder aus dem Orient schlossen sich an, und im Alter finden wir den Fürsten abgeklärt und „fast schon ein bißchen weise“, philosophierend, resümierend, schließlich resignierend. Aus einem reichen Fundus an Zeitdokumenten, Selbstzeugnissen in Form von Tagebüchern, Briefen und Büchern des Fürsten sowie seinen Tafelbüchern haben wir viele Details herausgesucht, die zu unserem Thema passen, und zu einem Bild collagiert, oder, um in der Sprache des Sujets zu bleiben: Wir haben daraus ein Ragout bereitet, angereichert mit einigen Neuigkeiten, ordentlich gesalzen mit Zitaten, gewürzt mit Abbildungen und gepfeffert mit Sprüchen, das uns mit einer aufregenden Zeit und den Grundlagen ihrer sowie der heutigen Küche bekannt macht.
Dabei haben wir uns an dem hohen Anspruch orientiert, an dem der Fürst Pückler sein Tun so konsequent zu messen pflegte, daß er bei der Anlage seiner Parkanlagen auch hohe Kosten nicht scheute, um seinem Ideal gerecht zu werden.


einl teemaschine samowar russland 19 jahrhundert


Schon in den Briefen an seine Braut Lucie spricht sich der unbedingte Gestaltungswille des jungen Grafen aus, der sich bei der Gründung des eigenen Hausstandes selbst so geringfügig scheinender Dinge wie einzelner Kaffeetassen annahm. Scheinbar geringfügig heißt, daß dem kultivierten Menschen eine ästhetische Umgebung so wichtig ist wie die Atemluft, so daß es darin keine Kleinigkeiten geben kann. Am 3. September 1817 beispielsweise schrieb Pückler seiner Braut:
„Die Teemaschine zur Änderung mitzunehmen, hast Du vergessen, wie ich in Muskau mit einigem Mißvergnügen bemerkt habe. Ich hätte gern die drei Froschkeulen, auf denen sie steht, gegen etwas Anderes vertauscht gesehen.“
Er wußte, daß der Teufel im Detail steckt und daß ein einziger Pinselstrich ein ganzes Gemälde, ein Teelöffel Salz die ganze Speise verderben kann.
Wissenschaftlichkeit hatten wir bei der Arbeit an unserem „Pückler“ jedoch nicht im Sinn. Unser Buch will ein unterhaltsames Koch- und Lesebuch sein, das sich in unserem Sinne als geglückt erweisen würde, wenn es sowohl zum Gelingen eines Menüs als auch zum Anbrennen des einen oder anderen Gerichts beitragen würde – zum einen seiner Güte, zum andern seiner Unterhaltsamkeit wegen. Wenn Sie sich darauf einlassen, endet es mit einem fürstlichen Mahl, das Sie in jedem Falle überraschen wird. Wenn es dazu auch noch den Gesprächsstoff liefern würde – vielleicht mit dem Fürst-Pückler-Eis, das selbstverständlich ein eigenes Kapitel bekommen hat – hätten wir unseren Zweck vollkommen erreicht.


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