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Viertes Kapitel

Die Zeit des Reisens und der Reife

Muskau, England und der Orient 1826-1844


Können, wollen und wissen –
diese drei Voraussetzungen müssen erfüllt sein,
damit ein beliebiges Vorhaben gelingen kann.
Johann Wolfgang von Goethe

Nach einigen Jahren des Umgestaltens von Landschaft und Bauten rund um das Muskauer Schloß wurden die Mittel des Paares bedenklich knapp. Der Kanzler Hardenberg war 1822 gestorben und hatte statt des erhofften Erbes nichts als Chaos und Schulden hinterlassen. Ein Ausweg mußte gesucht werden. Lucie glaubte ihn gefunden zu haben in einer pro-forma-Scheidung und der Suche nach einer heiratsfähigen vermögenden Erbin als Gefährtin und Geldquelle für sich und ihren Hermann im steinreichen England. Der war natürlich von der Aussicht begeistert, den Hahn im Muskauer Korb zu spielen. 1826 erfolgte die Scheidung und Pückler schiffte sich nach England ein, um eine reiche Braut zu suchen.


rei repton gardening wohnzimmer altmodisch 1816


Sich über die englische Küche zu mokieren, gehört seit jeher zum guten Ton, weiß man sich doch wunderbar einig darin, daß sie schlecht sei, und so hören wir auch Pückler darüber klagen.* Dabei ist sie so gut wie jede andere, nur eben anders. Pückler war aber zu seinem eigenen Verdruß so unklug, zum Beispiel die Bratkartoffeln – sein Lieblingsgericht – dort zu verlangen, wo man sie überhaupt nicht schätzte und demzufolge auch nur schlecht zubereitete. Es gab einiges, was er akzeptierte und übernahm: Coulissuppe und English Ale finden wir später des öfteren auf seiner Tafel, letzteres beinahe täglich, eine schottische Mulligatawnysuppe gab es gelegentlich.


rei repton gardening wohnzimmer modern 1816


Was ihm, und nicht nur ihm, besonders imponierte, war die Verbindung von Komfort und Luxus: „Man denke nicht klein von fließendem Wasser, von heizbaren Häusern und vom WC“, heißt es in einer Leopold-Schefer-Biographie. „England ist ein bezaubernd schönes Land, wo die Gebildeten und Reichen beinahe schon so süß leben, wie jemals dereinst das Menschengeschlecht auf Erden leben zu können scheint“, schrieb Schefer.

Wilhelm von Humboldt 1818: „Der Luxus ist in keinem Lande höher gestiegen, und das Verzweifeltste ist, daß er noch dabei immer ganz einfach aussieht. Diese Verbindung der Einfachheit mit dem äußersten Aufwande ist das wahre und echte Zeichen des Reichthums und der Wohlhabenheit.“ Er sah sich außerstande, englische Gäste in die preußische Botschaft einzuladen, weil er weder über die für den Service à l’anglaise* notwendigen silbernen Terrinen, Schüsseln und Platten, noch über die sechs silbernen Bestecksätze pro Gast verfügte, die anständigerweise erwartet wurden. „Mit meinem Silber bin ich sehr schlimm dran, und nach hiesiger Mode wird mein Tisch nie gut aussehen. Wir haben nicht genug und nicht groß genug, und nicht nach Art hiesigen Tafel-Arrangements. So hat man hier immer zwei Terrinen, größere Schüsseln zu den Fischen und große Fleischspeisen. Der Unterschied kommt daher, daß man alles zugleich aufsetzt, und dies anders zu machen, daran ist schlechterdings nicht zu denken.“ (Man sollte meinen, ein Staatsmann hätte andere Sorgen – aber genau das sind sie, die Sorgen eines Staatsmanns.) Auch Pückler maß sich selbst und sein Vermögen mit englischen Maßstäben und hatte erneut Grund unzufrieden zu sein.


rei london vauxhall event 1821


1829 kehrt Pückler aus England zurück – ohne Braut und Brautgeld. Lucie und Schefer (seit 1819 wieder in Muskau) hatten inzwischen Pücklers Briefe aus England aufbereitet und mit Varnhagen von Enses Hilfe zum Druck vorbereitet. Pückler legte letzte Hand an, und 1830 erschienen die ersten zwei Bände der Briefe eines Verstorbenen, zuerst der dritte und vierte Teil, 1831 folgten die Bände drei und vier mit den Teilen eins und zwei (etwas verwirrend, aber echt Pückler). Sie wurden eine Sensation und brachten gute Honorare. Pückler fing Feuer, wurde ganz Schriftsteller und beinahe solide: Im Januar 1833 berichtete er Lucie von seiner Arbeit an Tutti Frutti, seinem nächsten Buch: „Ich esse jetzt um 8 Uhr zu Mittag. Um Mitternacht fange ich an zu arbeiten, bis 5, 6, auch 7 Uhr früh. Dann gehe ich zu Bett und lese noch eine Stunde. Um 3 Uhr stehe ich auf, trinke eine Tasse Tee und gehe, reite oder fahre dann bis 5 Uhr spazieren. Von 5 bis 8 besorge ich meine Korrespondenz und Geschäfte. Ich unterhalte mich aber gut dabei und befinde mich auch wohl.“

1834 unternahm Pückler wieder einige Reisen, Bamberg, Hamburg und Paris waren die wichtigsten Stationen. Aus Hamburg teilte er Lucie mit, er habe „für ein sehr reichliches Diner (...) im ersten Gasthof einen Thaler acht Groschen preußisch, für eine Flasche exzellenten Bordeaux dasselbe“ bezahlt.

Sein Gartenwerk Andeutungen über Landschaftsgärtnerei, noch heute aktuell, und fünf Bände Tutti Frutti erblickten das Licht der Welt. Letzteres wurde wieder ein Riesenerfolg. Friedrich Förster, ehemaliger Lützower Jäger, Berliner Historiker und Dichter, berichtete Pückler am 14. Februar 1834 in einem Brief aus Berlin von einer ganz speziellen Wirkung des Werkes: „Der Ihnen wohlbekannte Kranzler (Conditor) unter den Linden hatte in noch keinem Winter so viele Bestellungen auf sein beliebtes ‚Tutti Frutti’, in welchem sich neben den süßen Früchten hier und da noch eine scharfe Eiskante findet.“


Sagen, daß man ein Gericht nicht mag, ist einfach unhöflich.
Nicht kosten wollen, ist blöde.
Paul Reboux

Hermann von Pückler ließ, wie wir bereits sahen, keine Gelegenheit aus, sich die Erfahrungen anderer zunutze zu machen. Ebenso gern gab er auch seine eigenen Erfahrungen weiter. Aus Tutti Frutti erfahren wir, wie er reiste:

„Ein alter Reitknecht folgte (...) mir in gehöriger Entfernung mit meinem besten Jagdpferde und einem Packgaul. Geistnährende Bücher sind dabei nicht gänzlich vergessen, doch ist es hauptsächlich die ‚Abteilung für Victualien’ in meiner Cantine, die bei dergleichen Excursionen besonders sorgfältig versehen wird, um ganz nach Laune mein Frühstück oder Mittagessen eben sowohl im Freien, als unter Dach und Fach, an der ersten besten Stelle, die mir gefällt, und meiner Stimmung eben zusagt, einzunehmen.“

Die Entschuldigung, die er zuvor angebracht hat, erinnert ein wenig an Rumohr, der seinen Koch als Autor für sein Kochbuch vorschob, oder Blumröder, der seine Eßkunst pseudonym veröffentlichte. (Wer das Kapitel „Gastrosophie“ überblättert hat, schlage bitte dort nach). „Man wird mir vorwerfen, daß ich zu oft vom Essen spreche, aber große Autoren gehen mir darin mit gutem Beispiele zuvor, und was man täglich zwei- bis dreimal tut, darf ein treuer Erzähler, vorausgesetzt, daß es weder unanständig noch eine Sünde ist, nicht immer mit Stillschweigen übergehen.“

Unter seinen Ratschlägen finden wir dann einige Neuheiten, die er aus England mitgebracht hatte. Er schreibt: „Vor Allem ist ein eigenes Bett nöthig (...)“, er empfiehlt „Luftmatratze, Kopfkissen, Bettücher, eine gesteppte seidene Decke, alles gehüllt in ein grünleinenes Tuch, das sich auch als Drapperie für die schmutzige Wand verwandeln läßt, indem man es mit Hilfe zweier Nägel befestigt, die man zu diesem Zwecke ebenfalls mit sich führt“, und kommt dann zur „Leibesnahrung“: „Da Du selten mehr als in Butter, Fett, oder Bier, geschmorten Kälberbraten antriffst, so wirst Du wohl thun, Dich mit den englischen Erfindungen des Cavic und Ketschup zu versehen, welche die gute Eigenschaft haben, alle noch so schlechte Brühe genießbar zu machen. Endlich rathe ich noch zu einem Wasserkessel von englischem Blech, der zugleich eine Caffeemaschine nebst einigen Büchsen zu Thee, Zucker und Caffee und einer Spirituslampe in seinem Innern birgt.“ Es folgen: eine „(...) Reiseapotheke mit Seydlitz powders oder anderen kühlenden Brausepulvern, Quinine*, ein Regenschirm und natürlich wenige, zweckmäßige Kleidung.“

Was wie Camping klingt war seinerzeit Hightech. Man bemerkt hier deutlich den Unterschied zum modernen Reisenden, oder dem Amerikaner, der aus seinem Packpapier zwar auch ißt, wo es eben paßt, dem die Umstände aber völlig gleich sind – wenn es nur schnell geht.

Im November 1835 begab sich Pückler auf seinen fünfjährigen „Weltgang“. Stetig gingen Manuskripte in die Heimat, wo Lucie, Schefer und Varnhagen fieberhaft arbeiteten, um sie zum Druck zu befördern. Die Beziehung zu Schefer nahm ernsthaft Schaden, weil der Fürst die Änderungen nicht vertrug, die Schefer auf Bitten Lucies vornahm, um ihren Skandalgehalt etwas zu reduzieren. Letztendlich mußte Lucie die Arbeit allein mit Varnhagen von Ense tun. In rascher Folge erschienen: 1835 Jugend-Wanderungen und drei Bände Semilassos vorletzter Weltgang, 1836 fünf Bände Semilasso in Afrika, 1838 Der Vorläufer. Als Pückler Anfang September 1840 nach Muskau zurückkehrte, hatte ihm der Mundkoch Sr. Majestät des Königs von Preußen, Louis Ferdinand Jungius, ein eigenes Eis gewidmet.


rei pueckler muskau vandalismus pyramiden meroe


Was ist Glück? Ein entsprechendes Vermögen,
eine gute Köchin und eine gesunde Verdauung.
Jean-Jacques Rousseau

Auch die orientalische Küche hinterließ Spuren, wenn auch nicht in dem Maße, wie die orientalische Tracht, Lebensweise und die geliebte Sklavin, die er sich mitbrachte. Pasteten à la turc kamen auf die Speisekarte, und er gewöhnte sich die türkische Pfeife mit Latakiah anstelle von Zigarren an.

(Pasteten à la turc – Türkische Törtchen, Petit patés turcs au jus – sind kleine, blindgebackene Tortenböden mit leicht erhöhtem Rand, hauptsächlich aus ungezuckertem Blätter-, Hefe- oder Mürbeteig, auf denen ein Ragout aus Auberginen und safrangefärbtem Pilawreis angerichtet wird. In dem im fünften Kapitel zitierten Menü sind sie der zweite Gang.)

Die damalige türkische Küche wurde als äußerst schlecht beschrieben. Für das Reisen durch Griechenland, das damals noch zum osmanischen Reich gehörte, erteilte Leopold Schefer (der allerdings weniger komfortabel reiste als Pückler) in Bilder aus Hellas den folgenden Rat:

„Wer rings, mit Barbaren um ihn, die gemeinsame Kuzze
Nicht zu drücken sich scheut, Flöhe wie Schafe gewohnt,
Wer gern ölige Klöße genießt, hartstössiger Rosse
Seitenschmerz verbeißt, krank niemals Ärzte begehrt,
Wer ohne Weg und Steg gern reist, vom Räuber ereilet,
Wie ein Marmorbild ohne die tröstliche Schrift
Unter Veilchen bei Marathon dort liebte zu ruhen,
Dieser pilgre getrost, pilgre nach Hellas, o Freund.“

Und Blumröder klagte nach einer Aufzählung all dessen, was in der Regel auf den türkischen Tisch bzw. Teppich kam: „Welch elendes Essen! Was ist aber auch aus der Türkei geworden! Möchte der reformierende Mahmud auch diesem wichtigen Zweige seine Aufmerksamkeit zuwenden, wie er für seine Person bereits in Beziehung auf den Champagner getan. Auch Messer und Gabel soll der hochstehende Reformer in seiner nächsten Umgebung schon eingeführt haben.“

Daraus läßt sich schließen, daß man damals in der Türkei – Koran hin, Koran her – zwar Wert darauf legte, hochkarätige Weine auf den Perserteppich zu bringen, die Investitionen in ordentliche Köche und anständige Lebensmittel jedoch offenkundig ausblieben. Warum man Kultur ausgerechnet mit Messer und Gabel zu demonstrieren versuchte, wird wohl das Geheimnis der türkischen Gastgeber bleiben, es sei denn, man hatte in ihnen – wie schon die Fugger und andere Europäer – die Möglichkeit entdeckt, auch durch kostbares Tafelgerät seinen Reichtum zur Schau zu stellen. Daß Blumröder aus Unverständnis für Fremde Sitten und Gebräche zu einem solchen vernichtenden Urteil kam, ist wohl auszuschließen, wie die gleichlautenden Urteile seiner Zeitgenossen belegen.

Über die miserable türkische Küche wurde aber nicht nur von Touristen berichtet, sondern deren vernichtendes Urteil wurde von prominenter türkischer Seite indirekt auch bestätigt. 1837 hielt Pücklers Gönner Mehemed Ali in Dschiseh öffentlich Tafel. Hierbei speiste Pückler mit dem Sultan „tête-à-tête“* zwar türkisch, aber er erfuhr bei der Gelegenheit bereits, daß Mehemed Ali gewöhnlich die europäische Art bevorzugte und sich nur noch bei öffentlichen Anlässen türkisch gab. Bei einem Gabelfrühstück in Siut schließlich ging es ganz und gar europäisch zu. Man saß an Tischen und auf Stühlen, und Pückler durfte bzw. mußte dem Vizekönig sogar vorlegen, denn auch dieser war begierig darauf, neues aus erster Hand kennen zu lernen. Wie Mehemed Ali, und Pückler ein Stück weit mit ihm, sich durch das Land bewegte, gehört zu den Highlights Aus Mehemed Ali’s Reich, wurde immer wieder gern illustriert und verdient natürlich, auch hier erwähnt zu werden. (Wir müssen unserer Chronologie ein wenig vorgreifen, denn das Buch erschien erst 1844.)

Mehemed Ali, dem 2.000 von 6.000 Nilbarken gehörten, reiste mit einem Troß von 300 Personen – darunter ein einziger Militär - und „...einer weit größeren Anzahl von Pferden, Dromedaren und Maultieren. Zwei Garnituren, jede von fünfzig Zelten mit allen nötigen Möbeln und zwei komplette Kücheneinrichtungen, wechseln auf der Reise dergestalt miteinander ab, daß man nie nötig hat, auf irgend etwas zu warten, sondern, so wie man ankommt, Wohnung und Mahlzeit auch schon bereit findet.“

Ebenso willig, wenn auch schimpfend, reiste Pückler, wenn Improvisation und Verzicht an die Stelle von geordnetem Tagesablauf und Gewohnheiten traten: „Auch erhielten wir hier ... vortreffliche Kuhmilch und saftige frische Bohnen, eine schätzbare Zugabe für unsere Tafel, die jetzt sehr dürftig beschaffen ist und meistens auf magere Hühner, Schöpsenfleisch und Linsen allein beschränkt bleibt, zu denen wir in Wasser aufgeweichten Zwieback genießen müssen, weil das von Assuan mitgenommene Brot schon längst vertrocknet und verschimmelt ist.“

Das war natürlich nicht die Regel. Wie schon in Tutti Frutti gab er Empfehlungen, und sie verraten uns, wie es gewöhnlich um seine Küche bestellt war: „Die Lebensmittel betreffend empfehle ich nur Reis, Kaffee und getrocknete Datteln, Wein und Tabak, und wenn ich diesen letztern unter die Lebensmittel mit begreife, so geschieht dies nicht ohne Grund, da auch hier die Erfahrung mich vielfach gelehrt hat, daß nichts Hunger und Durst besser stillt oder vielmehr verhindert als Kaffee und die Pfeife, mit denen man in diesem Klima zur Not mehrere Tage lang ohne besondere Beschwerde auskommen kann ... und den Wein habe ich ... als das beste und kräftigste Mittel zur Erhaltung der Gesundheit erprobt, besonders Champagner, mit zwei Dritteilen Wasser verdünnt, ein Getränk, das zugleich auf die Länge sich kühlender und erfrischender als alle anderen sich erwies. Leichte Rhein- und Moselweine sind nach diesem am meisten anzuraten, denn der Hauptgrund der klimatischen Krankheiten, welchen Fremde hier ausgesetzt sind, ist fast immer Relaxation der Verdauungswerkzeuge, die aber nicht durch heftige, sondern nur die gelindesten tonischen Mittel verhindert werden muß. So erzählte mir ein geschickter deutscher Arzt in Kahira, daß er seine Erhaltung in dem mörderischen Klima Jemens nur dem bitteren bayerischen Bier verdanke.“


rei david roberts wueste sandsturm shpinx


Einige Kapitel später fügt er dem eine Liste seiner persönlicher Favoriten hinzu, zu denen sogar Eis gehörte, was sich aus der Erwähnung von Sorbet schlußfolgern läßt: „Wozu ich Lust verspürte, habe ich mir nie versagt. Fleisch wie reife Früchte, Fettes und Mageres, Süßes und Saures genoß ich unbedenklich untereinander, jedoch nie im Übermaße. Bald trank ich Wein, bald süße oder saure Milch, Bier oder Branntwein (diese stärkeren Getränke aber meist mit Wasser vermischt), den dongolesischen Bilbil, den ägyptischen Mischmasch aus Aprikosen, Mandelmilch (die, beiläufig gesagt, wenn man sich weder Milch noch Eier mehr verschaffen kann, ein vortreffliches Surrogat dafür beim Kaffee oder Tee abgibt), gewöhnliche Limonade oder ‚limonade gazeuse’, künstliches Sodawasser mit englischen Pulvern bereitet oder Sorbet aus Melonenkernen usw. ... Mein Hauptprinzip blieb immer: dem Impuls der Natur zu folgen und die Lehre: in jedem Land sich nach der Lebensart der Eingeborenen zu richten – als höchst perniziös* und abgeschmackt zu betrachten, wenn man sie nicht wenigstens, sowohl dem ersten Grundsatze als auch der Rücksicht auf lange Gewohnheit gänzlich unterordnet.“ An wieder anderer Stelle beklagt er den Verlust von Wein, Likör, Öl und Essig.


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Unbedingt lesenswert, doch zu weitschweifig, um es hier zitieren zu können, setzt Pückler sich in dem Kapitel „Yerf Hussein-Korosko“ wieder einmal – wie schon in Tutti Frutti - mit Kritikern auseinander, die meinten, deutsche Autoren würden sich zu viel um das Essen kümmern. Insbesondere zeigt er sich enttäuscht von den Franzosen. „Ich gestehe, daß ich von den eßkünstlerischen Franzosen, die den Almanac des gourmands erfanden, in deren Literatur (wo nicht in der von ganz Europa) die Kochbücher ohne Zweifel jetzt der klassischste Teil sind, und deren Köche selbst man mit ihrem Ruhme über alle fünf Welteile der Erde verbreitet sieht, einen solchen Angriff am wenigsten erwartet hätte!“

Er schließt seine Betrachtungen über die Literaturkritik mit der Erklärung: „Doch ich werde trotz aller Anfechtungen dieser Art eine Gewohnheit nicht ganz verlassen, in der ich große Vorgänger habe. Es erfrischt die Konstitution des Lesers, wenn man zuweilen mit ihm vom Essen spricht, und ich selbst habe dies bei der Lektüre englischer Romane oft empfunden. Einmal erhielt ich sogar einen anonymen Brief, worin mir eine pommersche Hausfrau (der Poststempel verriet mir ihr Vaterland) den innigsten Dank für eine neue Anweisung, Kartoffeln zuzubereiten, sagte und mir als Geschenk zwei andere vortreffliche kulinarische Vorschriften nebst einer selbst geräucherten Gans zusandte, während derselbe Posttag mir den Brief einer Berliner Dame brachte, die mich zu einem besseren Christentum bekehren wollte, als ihr das meinige vorkam. Solche Trophäen sind des Autors Stolz, und ich darf ihre Quelle auf keiner Seite ganz versiegen lassen.“

Das Rezept, das er in den Pyrenäen kennengelernt und in Semilassos vorletztem Weltgang mitgeteilt hatte: „Das Rezept für die Kartoffeln aber ist folgendes: Man kocht sie auf die gewöhnliche Weise, zieht hierauf die Schale ab und schneidet sie in Scheiben. Dann schmort man eine reichliche Quantität frischer Butter in einer Kasserolle und tut die Kartoffeln hinein, mit gehackter Petersilie, Salz und Pfeffer, welches alles in der Butter gehörig umgerührt werden und noch eine kurze Zeit schmoren muß. Unterdessen hat man einige Eierdottern mit Essig delayiert* (auf einem Teller, der mit Knoblauch abgerieben wurde), und sobald die Kartoffeln in der Butter à point*, gießt man jene Sauce hinzu und serviert.“

1840 erschien der Südöstliche Bildersaal in drei Bänden; Reisen führten Pückler nach Dresden, Leipzig, Rudolstadt, Weimar, Frankfurt, Baden-Baden und durch Schlesien. 1844 endlich erschienen die drei Bände Aus Mehemed Ali’s Reich. Ein Anonymus merkte dazu in Ost und West, den Blättern für Kunst, Literatur und geselliges Leben 1840 an: „Bei Hallberger erscheinen noch im Laufe dieses Jahres 6 neue Bände von den Schriften des Fürsten Pückler-Muskau; der Verwalter der fürstlichen Güter, der bekannte Novellist Leopold Schefer, hat eigends eine Reise nach Stuttgart gemacht, um den Kontrakt mit dem Verleger abzuschließen. Der Fürst bekommt für diese neuen 6 Bände 25.000 fl. Honorar*. Bedenkt man, daß ein großer Theil dieser Aufsätze bereits in der Allgemeinen Zeitung abgedruckt waren und von der Cotta’schen Buchhandlung auf eine glänzende Weise honorirt sind, so wird man gestehen, daß in Deutschland der Cours der Honorare auch seine Höhepunkte hat wie in England und Frankreich; nur mit dem Unterschiede – doch den kann sich jeder selbst denken.“

Und Pückler selbst schrieb der Gräfin Ida Hahn-Hahn 1845 aus Muskau: „Es ist mir so amüsant ironisch vorgekommen, daß ich für meine bisherigen Scharteken zwischen 30- bis 40.000 Taler gezogen habe, ich und in Deutschland, wo es Schiller und Herder und Jean Paul, selbst Vulpius nie so weit gebracht haben, und Goethe erst am Ende seiner Laufbahn. Es war ein Sündengeld, ich habe es aber gut angewandt, und meinem eigenen Vergnügen keinen Taler davon gegönnt, die einzig schickliche Buße bei ungerecht erworbenen Gut.“

Ungeachtet der seinerzeit von weniger erfolgreichen Schriftstellern beneideten fürstlichen Honorare Pücklers war die Situation in Muskau unhaltbar geworden. Es wurde verkauft und am 2. April 1845 verlassen.

Mehr zu Hermann von Pücklers Orientreise im Artikel Hermann Fürst von Pückler-Muskau als Schriftsteller in Ägypten von Peter Milan Jahn.


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