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Menü 1: Alte Liebe rostet nicht

Speisen mit Vertrauten

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Personen, die ihm wohlwollten und wohltaten, bewahrte Pückler eine lebenslange Zuneigung. Das beginnt mit einer Amme, für die er in Tutti Frutti liebevolle Zeilen findet, geht weiter mit dem Schloßsekretär Wolff, mit dem er sich während seiner Jugendwanderungen in steter Korrespondenz befand und der wohl den endgültigen Bruch mit dem Vater verhinderte. Als junger Standesherr ernannte er den Mann, der 57 Jahre lang im Muskauer Schloß diente, zum Schloßintendanten. Seine ersten Lehrer Tamm und Brescius, der Jugendfreund Schefer, dem wir ebenso wie dem Dichter und Hofgerichtsassessor Heinrich Seidel im nächsten Kapitel wieder begegnen werden, oder sein kurioser Diener – sie alle finden sich mehr oder weniger verschlüsselt mit liebenswürdigen kleinen Porträts in Pücklers Büchern, zumeist in Tutti Frutti wieder. Leopold Schefers Vater wird noch 1840 mit einer eingestreuten Anekdote im Südöstlichen Bildersaal als sein Lebensretter gewürdigt.

Zu den wenigen, die ihn nach Branitz begleiteten, als er 1845 die Standesherrschaft Muskau verkaufte, gehörte Billy Masser. Der Zwerg Wilhelm Heinrich „Billy“ Masser (1824-1907) nahm als Sekretär Lucies und danach als Privatsekretär Hermanns bereits in der Muskauer, dann in der Branitzer Hierarchie eine Sonderstellung ein. Ein fast 30seitiger Aufsatz in der edition branitz beschäftigt sich ausführlich mit ihm – leider zu lang, um hier auch nur auszugsweise wiederholt zu werden. Darin findet sich auch der Abschnitt „Billy – der Feinschmecker und Schürzenjäger“. Billy liebte gutes Essen und war den hübschen Mädchen zugetan. Pückler nannte ihn in einem Wortspiel „Gour- und Cour-Mandel“, einen „kleinen Gourmet“ und einen „Kleinen, der den Damen die Cour macht“. Daß der Fürst ihn als ständigen Gast an der Tafel hatte – wen wundert es? Meistens führte er die Tafelbücher des Fürsten. Billy blieb bis zuletzt im Dienst des Fürsten, wurde großzügig abgefunden und konnte sich noch 36 Jahre lang einer auskömmlichen Pension erfreuen.

Über den zweiten an der Führung der Tafelbücher beteiligten Privatsekretär Pücklers, Albert Bidault, weiß man wenig, ebenso über den Oberförster Eggert, der das Vertrauen Pücklers in einem Maße besaß, daß er ihm in Notsituationen sogar Zugriff auf seine Privatschatulle gewährte. Oberförster Eggert und Billy Masser fungierten bei Abwesenheit des Fürsten als dessen Repräsentanten.


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Eigentlich hätte zuallererst Lucie von Pückler (in dem Sammelband Fürst Pückler unter die „Bekannten und Freundinnen“ Pücklers eingereiht!) mit einem Menü hierher gehört, aber sie kommt in den Tafelbüchern nicht vor. Sie hatte zum einen den Verkauf Muskaus schlecht verkraftet und schmollte, zum anderen fühlte sie sich den Strapazen des Umzugs und Neueinrichtens in Branitz nicht gewachsen. Sie starb 1854, zwei Jahre nach ihrem Einzug in Branitz, danach erst wurden die Tafelbücher begonnen.

Kurioserweise gibt es in den Tafelbüchern eine ganze Reihe Krügers: Zwei Kaufleute, einen Landschaftsmaler und einen Kommerzienrat, die alle in Cottbus wohnten, miteinander verwandt waren und ein ergiebiges Beziehungsgeflecht unterhielten. Ebenso zahlreich ist die Familie Liersch vertreten; auf Pücklers Arzt Dr. Liersch kommen wir später zu sprechen.

Zurück in Muskau bzw. bei der Fürstin, deren Aufenthalt nach dem Verkauf Muskaus zwischen Dresden, Branitz und Berlin wechselte, blieb „Mme. Crüger“, wie sie in den Tagebüchern genannt wird. Berthalda Crüger, geb. Bell, war Angestellte und Pflegerin der Fürstin. Sie muß eine resolute Person gewesen sein und leistete auch nach Lucies Tod noch wertvolle Dienste, z.B. kümmerte sie sich um das Grab der Fürstin – es scheint, als wäre sie vor allem für „Unangenehmes“ zuständig gewesen. Nach Lucies Tod finden wir sie häufig als Gast an Pücklers Tafel, das heißt, daß sie jedesmal den beschwerlichen Weg von Muskau nach Branitz auf sich nahm. 1870 kam „Madame Krüger mit Fräulein Tochter“ (Krüger mit K!). Wie Pücklers Biographin Ludmilla Assing schreibt, war Berthalda Crüger kurz vor seinem Tode bei dem Fürsten, und sie war auch diejenige, die mit Obergärtner Petzold zusammen den ersten Kranz auf seinen Sarg legte.

Nicht gerade zu den Vertrauten, aber zur Familie gehörte Graf Heinrich von Pückler, die vierte Person, die am 14. November 1855 an der Tafel teilnahm. Der Neffe Pücklers war zum Erben von Branitz bestimmt worden und sollte nach Pücklers Willen Ende der 1850er Jahre sein Erbe vorzeitig übernehmen. Allerdings sollte er es pachten, und Pückler wollte sich „sans soucis“ zur Ruhe setzen. Der Neffe aber weigerte sich, verständlicherweise; Pückler nannte ihn seinen „widerlichen Nachfolger“ und Graf Heinrich reagierte dementsprechend. Erst nach Jahren normalisierte sich ihr Verhältnis wieder und Graf Heinrich kehrte an die Tafel zurück, an der er 1855 noch in bestem Einvernehmen mit dem Fürsten saß und folgendes serviert bekam ...

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Wer wann und eventuell warum mit (oder auch ohne) Fürst Hermann von Pückler-Muskau an der Branitzer Tafel saß,
was zum Diner serviert wurde, wie es zubereitet wurde und wie man es heute nachkochen kann,
das steht in dem "Fürst-Pückler-Kochbuch" mit dem verheißungsvollen Titel:

TAFELN WIE FÜRST PÜCKLER - EIN UNTERHALTSAMES KOCHBUCH

Daß es nicht als Kulturpixel hier steht, hat einen plausiblen Grund:
Auch der Autor und sein Verleger brauchen und wünschen sich ein paar Dinge zum Leben,
zum Beispiel hin und wieder einen Rinderschmorbraten mit Rotkohl und Klößen und zum Dessert ein Fürst-Pückler-Eis.


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