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Menü 3: Des Fürsten liebste Gäste: Seine Gärtner


Während die Schriftsteller vor allem zu Lebzeiten des Fürsten halfen, seinen Ruhm zu vermehren, so waren es ihrem Metier gemäß die Gärtner, die zwar für eine etwas spätere, dafür jedoch um so üppigere Lorbeer-Ernte sorgten. An der Tafel nahmen sie, statistisch, einen Spitzenplatz ein. Allein Obergärtner Erdmann Heinrich Wilhelm Freschke (1826-1896) war 1864, als er schon gar nicht mehr im Dienst Pücklers stand, 35 mal zum Diner. Wilhelm Freschke war nach Wenzeslaus Walek aus Muskau und Otto Terscheck (Dresden?) von 1852 bis 1863 Obergärtner in Branitz. Er kam von Lübbenau, wo sein Vater „Hochgräflich zu Lynarscher Zier- und Kunstgärtner“ war; ihm folgte er 1863 ins Amt, das sich nun aber nur noch bescheiden „Oberschloßgärtner des Grafen Lynar in Lübbenau“ nannte.

Er bezog in Branitz ein Monatsgehalt von 18 Talern, 22 Silbergroschen und 6 Pfennigen, dazu Kostgeld in Höhe von 6 Talern, 20 Silbergroschen. Wir nutzen diese Kenntnis, das Kostgeld eines Obergärtners mit den Kosten für ein fürstliches Menü zu vergleichen. Nimmt man für die Berechnung das folgende Menü, wählt die beste Sorte Trüffel – versteht sich –, berücksichtigt das Drumherum und legt heutige Preise zugrunde, so stellt sich heraus, das Freschkes Kostgeld knapp ausgereicht hätte, das Essen beim Fürsten zu bezahlen.


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Weitere Gäste des Fürsten aus der „grünen Zunft” waren Eduard Petzold (Muskau), Hofgärtner Otto Ferdinand Kindermann (Babelsberg), Kunstgärtner Georg Wilhelm Kirchner (Neffe Petzolds, Mitverfasser des Arboretum muscaviense), Obergärtner Georg Christoph Bleyer (letzter Gärtner des Fürsten), Prof. Karl Heinrich Emanuel Koch, Herausgeber der „Wochenschrift für Gärtnerei und Pflanzenkunde“, Gartenkünstler Bruno Teichler (Erdmannsdorf/ Schlesien), Blumengärtner Karl Teltzrow (Nachfolger Freschkes), Obergärtner Neide (Berlin Charlottenburg) und Obergärtner Wilhelm Döll aus Altenburg (Rosengärtner in Eisenberg). Von letzterem gibt es noch eine Rechnung über Rosen von 1853, und am 30. August 1856 besuchte er Branitz wegen Problemen mit den Rosen, die auf dem kargen Lausitzer Boden nicht recht gedeihen mochten.

Die Gärtner liebten, ja vergötterten ihren Fürsten geradezu. Zwei Episoden mögen das illustrieren.

Adolph Kohut, ein Verehrer Leopold Schefers, veröffentlichte 1884 anläßlich des 100. Geburtstages Schefers eine Würdigung, in der er dessen Rolle bei der Anlage des Muskauer Parkes etwas überzeichnete und stieß damit eine Lawine von Leserzuschriften in der „Garten-Zeitung“ los. Die deutsche Gärtnerschaft schlug sich vehement für ihren Abgott Pückler in die Bresche, wobei sie argumentativ teilweise ebenso in Schieflage geriet wie andererseits Dr. Kohut. Mehrmals meldeten sich die Hofgärtner Jäger, Petzold, Roese und ein Anonymus „Zur Ehrenrettung des Fürsten Pückler“ zu Wort.

Und: Als Pückler nach seiner Orientreise wieder in Muskau eintraf, erklärten sie, „sie wollten ihrem guten Herren drei Tage umsonst dienen, aus Freude, daß er sie nicht verlassen habe.“


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Benjamin Thompson al. Graf Rumford steht neben der rechten Tür


Benjamin Thompson, ab 1790 Reichsgraf von Rumford (1753-1814) war ein äußerst bemerkenswerter Mann der Aufklärung, den wir an dieser Stelle aus doppelt gutem Grund ins rechte Licht rücken möchten, obwohl er mit Pückler nichts, doch mit seiner Tafel und wohl auch seiner Gartenpassion indirekt eine ganze Menge zu tun hatte. Er wurde nahe Boston geboren, machte in englischen Diensten eine abenteuerliche Karriere, wurde Mitglied der Royal Society und tat sich mit zahlreichen eigenen Entdeckungen hervor. Über Umwege gelangte er 1788 nach München. Angesichts der Armut und des Elends der einfachen Soldaten wurde Thompson zum Sozialreformer. Zur Bekämpfung des Bettler„unwesens“ ließ er Armenhäuser, Schulen für Soldatenkinder, Arbeitshäuser und Manufakturen errichten und nutzte auch hier seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse, um die Lebensumstände der Bevölkerung zu verbessern: Er erfand den Rumford-Herd, einen energiesparenden Küchenherd, der nur halb so viel Brennstoff verbrauchte wie die noch weithin üblichen offenen Herde, entwickelte verbesserte Öfen, Kamine und Lampen und eine funktionale Kücheneinrichtung. 1796 machte er mit dem Essay Of Chimney Fireplaces über die Verbesserung des offenen Kamins Furore. Er erfand eine Kaffeeemaschine, und für die Suppenküchen zur Speisung der Armen erfand er die Rumfordsuppe, ein billiges, aber nahrhaftes Eintopfgericht, das europaweite Verbreitung fand und heute in der Gastronomie angekommen ist. Hauptbestandteil der Rumfordsuppe waren Kartoffeln, die, bislang von der bayerischen Bevölkerung mißtrauisch abgelehnt, von Thompson als Volksnahrungsmittel propagiert wurden.

Von ihm initiiert begannen 1789 die Arbeiten zur Anlage des Münchner Englischen Gartens, eines der ersten und bis heute größten städtischen Parks im englischen Stil, der im Mai 1792 der Öffentlichkeit übergeben wurde. Die Tatsache, daß sich Hermann von Pückler – abgesehen von Kindheitseindrücken in Muskau und Herrnhut – auch in München „mit der Parkomanie infiziert“ haben könnte, wie es in einer neueren Publikation drolligerweise heißt, hat in der Pückler-Literatur bisher kaum Erwähnung gefunden.


Wer wann und eventuell warum mit (oder auch ohne) Fürst Hermann von Pückler-Muskau an der Branitzer Tafel saß,
was zum Diner serviert wurde, wie es zubereitet wurde und wie man es heute nachkochen kann,
das steht in dem "Fürst-Pückler-Kochbuch" mit dem verheißungsvollen Titel:

TAFELN WIE FÜRST PÜCKLER - EIN UNTERHALTSAMES KOCHBUCH

Daß es nicht als Kulturpixel hier steht, hat einen plausiblen Grund:
Auch der Autor und sein Verleger brauchen und wünschen sich ein paar Dinge zum Leben,
zum Beispiel hin und wieder einen Rinderschmorbraten mit Rotkohl und Klößen und zum Dessert ein Fürst-Pückler-Eis.


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