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Die Kunst und ihre Macher
Pücklers Verhältnis zu den Künsten war das eines Pragmatikers. Er nahm, was er brauchte, und tat, was ihm gefiel. Die Meinung anderer, von Lucies abgesehen, kümmerte ihn dabei wenig. Symptomatisch dafür ist ein Brief, den er im Juli 1850 an den Maler Leopold Pollack (1809-1880) schrieb. Hier ein Auszug:
„Es ist Ihnen wahrscheinlich bekannt geworden, daß ich Ihre Melusine acquirirt habe, und es ist mir ein Bedürfniß, Ihnen darüber einige Worte zu sagen. Der Neid der Berliner, leider eine Haupteigenschaft unserer Nation, besonders des nordischen Teils derselben, hat alles Mögliche aufgeboten, dies Bild herabzusetzen und die Leute, die, statt eigener Ansicht, ihr Urtheil nur aus Journalen und Zeitungen zu entnehmen gewöhnt sind, haben treulich nachgeplappert, was diese ihnen vorschrieben. Mit Recht konnte die Kritik dem Bilde nur eine Verzeichnung des rechten Armes vorwerfen, ein Mangel, der auch erhabenen Bildern des Correggio vorzuwerfen ist. Was mir Ihr Bild werth machte, ist
1) daß es wundervoll gemalt ist,
2) daß mich dessen Komposition vollständig befriedigt,
3) gerade, daß es (was man unvernünftiger Weise getadelt hat) beim ersten Anblick, bei aller Schönheit der Fee, eher einen unheimlichen als gewinnenden Eindruck macht, aber je mehr man sich darin vertieft, für den der überhaupt künstlerisch empfänglich ist, immer mehr und mehr die hinreißende Anziehung der Syrene übt. Hierin erkenne ich am meisten die dichterische Schöpfungskraft des wahren Künstlers.“

Ein gewisser Hang zum Trivialen ist bei dem Fürsten nicht zu übersehen. So ließ er zum Beispiel am Liebhabertheater in Muskau beinahe ausschließlich Stücke des von sämtlichen Schriftstellern der Nation aufrichtig gehaßten August von Kotzebue aufführen. Aber der Begriff des Trivialen hat sich in neuerer Zeit erfreulicherweise etwas gewandelt, und man gesteht auch den „Trivialen“ ihre Qualitäten und vor allem ehrliche Absichten zu, was bei so manchem Hochgeschätzten, der mit seiner Kunst ein Vermögen verdient hat (oder verdient), durchaus bezweifeln darf – die Vergangenheit hat das zur Genüge bewiesen. Zum Beispiel war es u.E. für das kleine Muskau ein großes Glück, daß ihm ein Arkadien unter Eichen erspart blieb und Schinkels antikisierendes Schloß-Monstrum wegen Pücklers permanent schwächelnder „pekuniärer Potenz“ (aus Geldmangel) auf der Strecke blieb. Originelles entsteht da, wo Altes sich mit Neuem verbindet. „Erfinden heißt verbinden“, schrieb Leopold Schefer.
Jacob Alberti (oder Alberty, 1811-1871), „indifferenter Mitesser“ (Zitat Pückler) unseres vierten Menüs, war Holzschnitzer und Holzbildhauer, ein Schüler Ludwig Wichmanns, des Künstlers, der die Büste der von Pückler angeschwärmten Sängerin Henriette Sonntag anfertigte. 1841 wurde Alberti akademischer Künstler und war an der Berliner Akademie hauptsächlich als Holzschnitzer für das preußische Königshaus tätig. Unter anderem schuf er 1864 das Reiterstandbild Fürst Antons von Hohenzollern-Sigmaringen in Lindenholz. 1857 zu 1858 war er, sicherlich durch Vermittlung des Hofes, in Branitz für den Fürsten Pückler tätig. Vermutlich ergänzte er das Speisezimmer des Fürsten um fehlende Teile und schuf das zweite Renaissance-Paneel nach dem Vorbild des ersten.

Ein weiterer bildender Künstler an der fürstlichen Tafel war der Maler Hermann August Krüger (1834-1908), Landschaftsmaler in Düsseldorf und ein Vertreter der bereits erwähnten Cottbuser Krüger-Sippe. Was der Fürst mit ihm besprach, ist nicht bekannt. Zu vermuten ist natürlich, daß es ebenfalls um Verschönerungen des Schloßinterieurs ging.
Was die Aufgabe des Photographen Carl von Wieland (um 1802-1874) war, zeigt der prächtige Bildband Fürstliche Bilder. Er fertigte um 1869 die ersten erhalten gebliebenen Aufnahmen des Parks an. Auf ihnen ist der Park zwar im Anfangsstadium zu sehen, dennoch verraten diese Bilder, daß Heckenschere, Axt und Sense (Rasenmäher) damals sparsamer zum Einsatz kamen als heute. Man nahm damals mehr Rücksicht auf biologische Zusammenhänge, denn man lebte intensiver in und mit der Natur. Zum Beispiel braucht die Eiche Nährstoffe, die ein Pilz aus ihrem am Boden liegenden Totholz produziert. Räumt man dieses konsequent beiseite, wird die Eiche krank – Diagnose: Mangelernährung.
Unter den Fürstlichen Bildern befinden sich auch eine historische Aufnahme der Parkschänke von dem Hofphotographen Carl Metzner sowie verschiedene Innenaufnahmen aus dem Schloß um 1900 von August Spitzer, darunter das Speisezimmer und die Bibliothek
was zum Diner serviert wurde, wie es zubereitet wurde und wie man es heute nachkochen kann,
das steht in dem "Fürst-Pückler-Kochbuch" mit dem verheißungsvollen Titel:
TAFELN WIE FÜRST PÜCKLER - EIN UNTERHALTSAMES KOCHBUCH
Daß es nicht als Kulturpixel hier steht, hat einen plausiblen Grund:
Auch der Autor und sein Verleger brauchen und wünschen sich ein paar Dinge zum Leben,
zum Beispiel hin und wieder einen Rinderschmorbraten mit Rotkohl und Klößen und zum Dessert ein Fürst-Pückler-Eis.
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