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Prominenz aus Politik und Gesellschaft


In dem „Skandalbuch“ Hof und Gesellschaft in Berlin 1884 lesen wir: „So geschieht es, daß Graf Pückler noch immer an der Spitze des königlichen Hauses steht und Graf Perponcher Hofmarschall bleibt, obgleich der eine fast blind, und der Andere .... Doch es ist besser von dem anderen gar nicht zu reden.“ Bei dem fast blinden Grafen handelt es sich um Hermann Constantin Erdmann Graf von Pückler (1797-1892), der fast hundertjährig im Dienst des Kaisers starb, in den Sielen, sozusagen. Über ihn erfährt man nur hin und wieder etwas in einem Halbsatz, und dabei muß er ein äußerst fähiger Mann gewesen sein.

Sein Vater war Friedrich Johann Ludwig Erdmann Graf von Pückler, Freiherr von Groditz, Freiherr zu Gimmel; seine Mutter war Christiana Gräfin von Pückler, Freiin von Groditz, Freiin zu Gimmel, geb. Freiin von Erlach. Wir finden hier eine Reihe von Namen aufgezählt, die uns (den mit den Verhältnissen des Fürsten Pückler etwas besser Bekannten) vertraut klingen. Es handelt sich bei dem Grafen nämlich um einen Vetter Pücklers, von jenem testamentarisch mit 70.000 Talern bedacht. Fürst Pückler war, wie gesagt, niemals wirklich arm, und für sich selbst konnte er sehr wohl rechnen. Er vererbte ein ansehnliches Vermögen, und sieht man sich sein Testament einmal daraufhin an, ist man eingedenk der immensen Muskauer Schulden doch ziemlich überrascht ...


ad freienwalde kupferstich um 1860


Sein Vetter war: Preußischer General der Infanterie, Königlich-Preußischer Kammerherr und Wirklicher Geheimer Rat, Ober-Hof- und Hausmarschall in Berlin und Babelsberg, Ober-Stallmeister und Intendant der Königlichen Schlösser. Er erbaute 1869 in Freienwalde seinen Ruhesitz, die Villa „Vier Linden“, und ging 1871, mit 74 Jahren, die Ehe mit Charlotte Polz ein, die ihm jedoch 1880 bereits starb. Neben ihr wurde er 1892 auf dem St. Georgenfriedhof in Freienwalde (heute Bad Freienwalde) beigesetzt. Er war Träger des Roten Adlerordens 2. und 3. Klasse und des Komturkreuzes.

Der Mann war ein Organisationstalent. In den Aufzeichnungen des Grafen Robert Zedlitz-Trützschler, der 12 Jahre lang Hofmarschall Wilhelms II. war, finden wir einiges zu den Aufgaben dieses Amtes. Ihm unterstanden 76 Schlösser mit über einer Million Talern Unterhaltungsaufwand jährlich, in ihnen wurden 40 Köche in Arbeit gehalten und bis zu 500 Personen Dienerschaft beschäftigt, außerdem oblag ihm die Absicherung der Reisen. In der Koch-Kunst, einer illustrierten Halbmonatsschrift für Hotel-, Restaurant-, Herrschafts- und bürgerliche Küche, herausgegeben vom Internationalen Verband der Köche, wurden am 15. März 1899 in deutscher und französischer Sprache zwei Briefe des Hofmarschallamtes in Berlin abgedruckt. Absender war ein Herr Kanzki, Auftraggeber Marschall Graf Pückler. In beiden Briefen bittet Graf Pückler den Königlichen Hofkoch Emile Bernard über den preußischen Hofbeamten, die Organisation und Ausführung hochrangiger Essen mit bis zu 250 Teilnehmern zu übernehmen. Die Stunden an Pücklers intimen Tafelrunden müssen für ihn paradiesisch gewesen sein.


Franz_Krueger_Parade_auf_dem_Opernplatz_Berlin


Weitere hochrangige Tafelgäste in Branitz waren König Wilhelm I., ab 1871 Kaiser, die Königin Augusta, ab 1871 Kaiserin (übrigens nicht nur hochwohl-, sondern auch in der Nähe von Cottbus geboren), Hauptmann Hindenburg – genau, der – und die Prinzen Carl und Friedrich Carl von Preußen. Von letzterem berichtet Johann Gottlieb Koppe, daß er sieben Millionen ersparte Taler des „hochseeligen Königs“ um 1843 dazu verwenden wollte, Muskau zu kaufen. Damit wäre Schloß Muskau zum Hohenzollernschloß Nr. 77 geworden. Weshalb der Prinz den Plan aufgab, weiß Koppe nicht zu sagen. Später kaufte es Prinz Friedrich der Niederlande, ein Schwager König Friedrich Wilhelms IV. ...

Die liebsten Besucher aus der Verwandtschaft waren dem Fürsten zweifellos die zwei fidelen Schwestern Ida und Josephine von Seydewitz. Gräfin Josephine, Jahrgang 1839, gehörte zur Entourage Prinz Friedrich Carls und erschien meist mit diesem; Ida, geboren 1841, war Dauergast auf Schloß Branitz. Sie hielt sich das ganze Jahr 1862 dort auf, am 30. November und am 7. Dezember war sie sogar die „Henne im Korb“, einzige Dame in einer größeren Männerrunde, die ausschließlich aus Offizieren bestand. Die beiden waren die Töchter des Stiefbruders Max, der als eines von insgesamt 8 Kindern aus der zweiten Ehe seiner Mutter mit dem Grafen von Seydewitz hervorging.

Zwischen 1856 und 1870 war der Hofmarschall Pückler insgesamt 22mal zum Diner beim Fürsten Pückler auf Schloß Branitz. Das Bild „Kurgäste in Marienbad“ von August von Rentzell – es hängt im Damenflügel von Schloß Sanssouci, wo sich auch noch eine tadellos erhaltene Küche um 1850 mit einem der damals modernen Rumford-Herde befindet – zeigt den Hofmarschall in Ganzfigur. Er ist der Herr links im Bild, der mit einem Türken plaudert. Auf Krügers „Parade“ von 1839 (Schloß Charlottenburg) erscheint er – etwas drahtiger wirkend, aber mit derselben Barttracht – ganz rechts hoch zu Roß unter Alexander von Humboldt, der in einer Kutsche steht.


ad hering ein grosser herr


Wer genau hinsieht, erkennt in ihm den von Franz Krüger gezeichneten Mann, der als Fürst Pückler zum Beispiel den Schutzumschlag von Gerhard F. Herings Roman-Collage Ein grosser Herr. Das Leben des Fürsten Pückler ziert. Das oft reproduzierte Porträt stellt nämlich gar nicht den Fürsten Pückler dar, sondern seinen Cousin, den Wirklichen Geheimen Rat, Ober-Hof- und Hausmarschall und so weiter, den ganz wirklichen Hermann Constantin Erdmann Graf von Pückler!


Wer wann und eventuell warum mit (oder auch ohne) Fürst Hermann von Pückler-Muskau an der Branitzer Tafel saß,
was zum Diner serviert wurde, wie es zubereitet wurde und wie man es heute nachkochen kann,
das steht in dem "Fürst-Pückler-Kochbuch" mit dem verheißungsvollen Titel:

TAFELN WIE FÜRST PÜCKLER - EIN UNTERHALTSAMES KOCHBUCH

Daß es nicht als Kulturpixel hier steht, hat einen plausiblen Grund:
Auch der Autor und sein Verleger brauchen und wünschen sich ein paar Dinge zum Leben,
zum Beispiel hin und wieder einen Rinderschmorbraten mit Rotkohl und Klößen und zum Dessert ein Fürst-Pückler-Eis.


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