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Menü 7: Anniversarien und besondere Gelegenheiten

Nichts besonderes ...


Zum letzten Menü wollen wir einiges „Besondere“ erwähnen. Dazu gehört, daß der Fürst oft allein oder nur mit Billy Masser am Tisch saß – also eigentlich nichts besonderes, aber diese Beobachtung korrigiert zumindest die landläufige Vorstellung, es wäre im Schloß ständig kreuzfidel zugegangen. Geburtstage, Feiertage und ähnliches spielten für die Menüs kaum eine Rolle. Silvester 1855 verbrachte der Fürst allein mit Billy, die Geburtstage 1856 und 1859 feierte er mit Billy, 1866 verbrachte er seinen Geburtstag ganz allein in der Natur. Am 9. Juli 1867 „ward der Herr Fürst krank“, wieder einmal. Besuch hatte sich angesagt.

Am 1. November 1855 aß man „in der Parkschänke“. Die „alte Laidow“ – sie ist uns schon einmal begegnet – hatte ihre designierte Nachfolgerin Auguste Klix kaum eingearbeitet, da lernte diese den Stallmeister Schäpel kennen, und es kam, wie es des öfteren („plötzlich und unerwartet“) kommt: Sie heiratete den Stallmeister, und der Fürst machte gute Miene zu dem wieder einmal verlorenen Spiel. Er erteilte der Köchin seinen Segen, die Konzession für die „Parkschänke“ und ließ sie widerwillig gehen.


bes metzner parkschaenke branitz um 1890


Mit dem letzten Menü kommen wir auch an das Lebensende des Fürsten. Am 7. April 1865 schrieb er an Ludmilla Assing, daß er 141 Tage lang das Haus nicht verlassen habe. Der einst Umschwärmte fühlte sich einsam; die Damen, ach, sie kamen nicht. Mit Ida Hahn-Hahn entzweit, die Marlitt zierte sich, seine Rosa wurde eifersüchtig bewacht, und Ludmilla Assing saß in Italien fest. An sie sind die meisten seiner Altersbriefe gerichtet, in ihnen spricht er sich aus. Ob Zahnschmerzen oder Hämorrhoiden, Katarrhe oder Geschlechtskrankheiten, schon in den Briefen an Lucie gab es nichts, was er ausließ, und auch Ludmilla Assing bekam einiges zu hören. Die Larmoyanz in seinen Briefen nahm zu, er war alt geworden und sehnte sich nach der verdienten Ruhe. Immer öfter schlabberte er Tee, knabberte Kekse und stellte Betrachtungen über das Vergängliche in der Welt an. Billy und Madame Crüger, die wir im ersten Menü kennen gelernt haben, kümmerten sich um ihn.

Seine Verhältnisse wußte er geregelt. Sein Testament widerlegt noch einmal eindrucksvoll die Behauptung, Pückler hätte nicht wirtschaften können. Geld war ihm nicht wichtig, er hatte es und konnte es leicht ausgeben, denn mit dem Erarbeiten desselben hatte er nichts zu schaffen. Bescheidenheit ließ er nur gelten „(...) für alle die, welche nur des größeren Genusses wegen reich sein wollen, nicht aber für die, deren Individualität so gestaltet ist, daß sie ihren Schöpfungsdrang nur durch große Mittel befriedigen können. Für solche ist Reichthum ein Bedürfniß, und sein Mangel ein großer Kummer.“ – So schrieb er es einst, im Mai 1837 von Damaskus aus, an Leopold Schefer.

Wie er seiner Jugendvertrauten in den Büchern gedachte, so bedachte er nun die Personen seiner alten Tage mit Geschenken und Pensionen. Pückler hat in seinem Testament von 1871 unter anderem vererbt:

– seinem Vetter Graf Herrmann von Pückler 70.000,
– seiner Nichte Gräfin Elise von Seydewitz 5.000,
– seinem Neffen Graf William von Kospoth 5.000,
– Appellations-Chef-Gerichtsrat Hartmann 2.000 Taler,
– Billy Masser 2.500 Taler und eine Rente von 400 Talern zusätzlich zu der von Lucie ausgesetzten Rente von 200 Talern jährlich,
– drei Personen Renten zwischen 150 und 300 Talern jährlich,
– acht Personen eine jährliche Rente von je 100 Talern,
– seiner Nichte Gräfin Josephine v. Seydewitz Obligationen im Wert von 25.000 Talern.

Hinzu kamen Grundbesitz, Park, Schloß, Möbel, Bücher, Kunstwerke, Pferde, Kutschen und so weiter sowie die schon erwähnten 300 Mark 3 ½lötiges Silber. Und die Tafelbücher ....

Um noch einmal auf den Hofmarschall Pückler zu kommen: Daß er so großzügig bedacht wurde, hat wohl gute Gründe gehabt, denn obwohl still und bescheiden, war er sicherlich von großem Nutzen für den Fürsten und dürfte so manchen Weg geebnet haben. Denken wir nur eben an die Eisenbahnlinie Berlin-Görlitz.


Wer wann und eventuell warum mit (oder auch ohne) Fürst Hermann von Pückler-Muskau an der Branitzer Tafel saß,
was zum Diner serviert wurde, wie es zubereitet wurde und wie man es heute nachkochen kann,
das steht in dem "Fürst-Pückler-Kochbuch" mit dem verheißungsvollen Titel:

TAFELN WIE FÜRST PÜCKLER - EIN UNTERHALTSAMES KOCHBUCH

Daß es nicht als Kulturpixel hier steht, hat einen plausiblen Grund:
Auch der Autor und sein Verleger brauchen und wünschen sich ein paar Dinge zum Leben,
zum Beispiel hin und wieder einen Rinderschmorbraten mit Rotkohl und Klößen und zum Dessert ein Fürst-Pückler-Eis.


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