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Eine Anekdote

Von Peter von Brackel

Aufgeschrieben von Bernd-Ingo Friedrich


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Peter von Brackel, Autor eines gewichtigen Buches über jene gläsernen Briefbeschwerer, welche in den europäischen Glasfabriken überwiegend in Pausen- und Feierabendarbeit hergestellt wurden (übrigens auch in der unter dem Grafen, späteren Fürsten Hermann von Pückler 1815 gegründeten und bis 1939 von den Grafen Arnim betriebenen Jämlitzer Hütte), lebt in Bad Honnef bei Bonn. Er weiß zu berichten:

Sein Freund und Corpsbruder in der berühmten "schlagenden" Studentenverbindung „Corps Borussia zu Bonn“, Graf Sylvius von Pückler (1903-1986), war nach dem letzten großen Kriege ohne Geld, Arbeit und vorläufig brauchbare Kenntnisse in die englische Besatzungszone geraten. Gewillt, jede Arbeit zu tun, war er zur englischen Kommandantur in Detmold gegangen und hatte sich, erwägend, daß dies dem Überleben zunächst wohl am förderlichsten sei, wider eigenes Erwarten erfolgreich um Arbeit in der Küche des Kasinos beworben. Der genaue Wortlaut des Bewerbungsgesprächs ist nicht überliefert; möglicherweise aber verlief es so:

„Soso, von Pückler heißen Sie. Und Sie wollen bei uns arbeiten?“
„Nun, vielleicht könnten Sie einen Koch gebrauchen?“
„Können Sie denn kochen?“
Der Graf umging eine direkte Antwort, indem er zurückfragte:
„Kennen Sie das Fürst-Pückler-Eis?“
„Ja, natürlich, selbstverständlich!“
„Ich bin der Nachfahre des Fürsten, der es erfunden hat.“
„Ah ja; O.K. – melden Sie sich bei Mister Kitchener.“

Kochen konnte der Graf zwar nicht, aber der Hinweis auf das Pücklereis brachte ihm einen Küchenposten ein; ein hilfsbereiter Koch nahm sich seiner an und die Arbeit in der Küche verlief zumindest ohne Skandale. Später war Sylvius von Pückler als (wohl kein besonders erfolgreicher) Rechtsanwalt in Bonn tätig.

Seine Frau Ursula Brand schrieb zahlreiche Beiträge über Kulturgeschichte, Kunst und Literatur für Zeitungen und Zeitschriften, hauptsächlich für das Adelsblatt.

(Nach einem Telefonat mit Peter von Brackel am 30.05.2008)


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