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Unser täglich Brot gib uns heute

Was die Untertanen (fr)aßen

Aus alten Büchern

Hunger ist der beste Koch.
Kompletter Blödsinn.


Prof. Dr. E. Mucke
Bausteine zur Heimatkunde des Luckauer Kreises
Luckau 1918, S. 499ff.

Die Ernährung auf dem Lande am Anfang des 19. Jahrhunderts

1. Frühstück um 6 Suppe aus Buchweizen oder Hirse, Mohn und Milch, dazu Pellkartoffeln ohne Öl oder Butter
2. Zweites Frühstück gegen 9 trockene Brotscheibe und ein Viertel Käse (Tassenkopf), für Männer auch Schmalzstulle und ein Korn
3. Mittag zwischen 12 und 1 Kartoffeln mit Bohnen, Erbsen, Linsen gekocht oder mit Leinöl oder Speck angemacht, dazu nur an Sonntagen frisches, im Winter Pökel- oder Rauchfleisch. Pellkartoffel mit Quark und Leinöl, angemacht mit Zwiebeln, Schnittlauch, Salz und Kümmel.
4. Vesper gegen 4 meist eine trockene Stulle mit einem Schnaps für die Männer, mit Fruchtmus für die Frauen, abwechselnd auch mit Heringsmilch oder Käse belegt oder mit Holundermus bestrichen
5. Abendbrot um 7, in der Erntezeit nach Einbruch der Dunkelheit aus Milch, Buttermilch, Molke oder Käsewasser und Brot gekochte Suppe, dazu trockene Pellkartoffeln, diese sogenannte gemischte Milch wurde im Sommer für die ganze Woche gekocht und abends kalt gegessen; im Winter nur dicke Milch mit Pellkartoffeln. Butter wurde wenig gemacht und kaum gegessen.
An den Wochenenden Kartoffelpuffer, die eine oder andere kleine Bereicherung der Mahlzeit, z.B. Wurst, ansonsten das gleiche. Getränke waren Wasser, Kaffee aus gebranntem Korn mit Zichorie oder „Eichelkaffee“; Bohnenkaffee, wenn überhaupt, gab es nur an den hohen Festtagen wie Weihnachten, Ostern, Pfingsten und zur Kirmes; Kuchen war unbekannt.


anh arme leute essen


Hermann Standke
Heimatkunde der Niederlausitz für Schule und Haus mit besonderer Berücksichtigung von Forst und Umgebung.
Sorau 1923, S. 141f.

Die Ernährung auf dem Lande im 18. Jahrhundert

„Wie die gutsherrlich-bäuerlichen Verhältnisse im 18. Jahrhundert waren, wollen wir im Auszuge an einer Dorfordnung sehen, die in Wolfshain bei Döbern bei der Huldigung eines jeden neuen Besitzers verlesen und unterschrieben wurde. Vetters Chronik der Parochie Dubraucke berichtet darüber:
‚Das Rittergut Wolfshain hat an oneribus zu prästieren 444 Fl. Schatzung. Die Steuern entrichten die Untertanen, und die Herrschaft zu Wolfshain ist von allen Steuern gäntzlich frey.
Ein Großknecht bekömmt 10 Reichsthaler Lohn und Essen beyen Gesinde/ giebt den Saamen selbst
1 Viertel Leinsaamen gesäet, dafür erhält er sich aber sein Bette und bekommt keine Leinewand,
1 Virtel Gerste/ ausgesäet,
1 Virtel Haydekorn/ ausgesäet,
1 Bäthgen zu Kraut, Knollen u. Kohlrüben.
Die Knechte bekommen ale 14 Tage ein jeder 4 Brodte à 6 ½ Pfd. von ausgewürktem Teige,
Alle Morgen 1 Mäßgen gestrichen Mehl zum Frühstücke auf 10 Gesinde u. 1 Kanne Milch,
Des Mittags 1 Mäßgen Hierssen oder Grauben oder Grütze, dahingegen Erbsen 2 gestrichenen Mäßgen. 2 Kannen Milch,
Des Abends 1 Mäßgen Mehl und 2 Kannen Milch.
Sonntags früh Mehlsuppe mit Milch, Mittags Erbsen oder Hiersgen, Abends wieder eine Mehlsuppe mit Milch oder Cofent (Dünnbier).’
Also nicht einmal Sonntags Fleisch.
An den Festtagen, wozu auch Fastnacht und Kirmeß gehören, ist das Essen besser; da gibt es Fleisch und Kuchen, zu Pfingsten aber keinen Kuchen.
Wolfshain, ein wendisches Dorf mit nur wenigen deutschen Kleinbesitzern, hatte überhaupt keine Bauern, nur Kossäten. Sie zahlen jährlich 5–6 Reichtaler Zins, spinnen 1–1 ½ Stück Garn, geben Michaeli 1–3 Zinshühner nebst einigen Eiern und haben wöchentlich 1–6 Tage Handdienste auf dem Hof zu leisten. ‚Sämtliche Hofedienste werden vom Cottbuser Frühlingsmarkt bis zum Cottbuser Herbstmarkt von früh 7 Uhr bis Mittags 12 Uhr und von Mittags 2 Uhr bis Sonnenuntergang geleistet, wobey aber ½ Stunde zum Vesper Brot gegeben wird.’ Im Winterhalbjahr geht es von 8–12 und 1 Uhr bis Sonnenuntergang. ‚Wenn einer der Kossäthen Kindtaufen ausrichtet oder jemand der seinigen in Tode abgehet, so ist er zwei Tage von den gewöhnlichen Hofediensten befreit.’
Muß das ein hartes Geschlecht gewesen sein! –“


Hanzo Njepila
Im Kämmerlein hab ich geschrieben
Bautzen 2006, S.14f.

Das Hungerjahr 1770

Und so sind die Bauern dann mit dem Holz in die Städte gefahren, wo immer sie es verkaufen konnten, und haben dem Herrn etwas von den Abgaben gezahlt. Und meine Mutter hat mir viele Male davon erzählt, als sie ein kleines Mädchen war und ihr Vater auch mit dem Holz, mit diesen Stücken nach Spremberg gefahren ist und sie verkauft hat. Sie ist auch manchmal mitgefahren und hat ihm geholfen, die Stücke zurechtzusägen, und sie ist mitgefahren mit ihm nach Spremberg, da hat der Vater die Fuhre Holz für zwei Groschen verkauft. Dann hat er eine Metze Salz und eine Metze Mehl gekauft, und der Verdienst war alle. Ein anderes mal ist sie wieder mitgefahren, da hat ihr Vater für die Fuhre Holzstücken wieder zwei Groschen gekriegt; da hat er für einen Groschen Seife gekauft und den anderen Groschen hat er nach Hause gebracht. Und dann sind sie beide mit vier Ochsen dorthin gefahren und haben wieder zwei Groschen gekriegt. Solches hat mir meine Mutter erzählt: Oh das war ein schlechter Verdienst, solch ein Verdienst; das reicht nicht mal für die Abgaben. Da hat die Wirtschaft einen großen Schaden, wenn der Verdienst nicht größer ist. Aber was sollte man tun?
So wurde dann vor Pfingsten Korn nach Ratzdorf [am Zusammenfluß von Oder und Neiße in Brandenburg gelegen] gebracht, zu Wasser mit Schiffen, und die Bauern haben dann alle Korn geholt, und zwar das ganze Muskauer Land oder Revier, und das alles mit Schubkarren, und haben es nach Muskau gebracht; dort haben dann die Herren das ganze Korn gemessen und an die Bauern verkauft und verborgt. Aber mein Vater, der war nicht zu Hause; der hat kein Korn geholt und sich auch von den Herrschaften nichts geborgt. Der ist betteln gegangen, um am Leben zu bleiben, aber wir beide mit der Mutter, wir waren sehr hungrig. Wir hatten nichts Gutes zu essen, nur die grünen Blätter, die haben wir gegessen, damit wir überleben [...] Und so hat meine Mutter uns beiden immer „Loboda“ gekocht; bis zur Ernte hat sie die verschiedensten Blätter gerupft: Hopfenblätter, Lindenblätter, Pflaumenblätter, Hederichblätter, Rapsblätter, Kartoffelblätter und auch Brennesselblätter. Dann hat sie uns „Loboda“ gekocht und wir haben sie wohl gegessen, wenn wir sehr hungrig waren in diesem Hungerjahr. Sie war nicht mit Fett angemacht und nicht gesalzen, aber wir haben sie gegessen, der Hunger war sehr schlimm [...] Und meine Mutter weinte, daß sie hier nichts zu essen hat als nur die „Loboda“ aus Kräutern, ohne Fett und Salz, und außerdem kann sie diese nimmermehr zubereiten und kochen. Sie waren überall ganz und gar abgesammelt und ausgerissen, und es gab fast nirgendwo mehr etwas davon [...] Sie ist auf unseren Feldern und Rainen umhergegangen und hat Melde gesucht und gepflückt und gesammelt und für uns beide gekocht. Und das haben wir gegessen.

(22.12.2009. Abschnitt „Wolfshain“ eingefügt am 06.07.2011.)


Aus der neuzeitlichen Küche der Muskauer Heide
S. dazu auch: Der Kartoffelbrei im Kochtopf.

Die Muskauer Heidebewohner haben sich immer sehr einfach ernähren müssen. Hirsebrei, Buchweizengrütze und dicke Milch standen täglich auf dem Tisch. Seit ihrer Einführung bestimmte die Kartoffel in verschiedenen Varianten den Speiseplan. Zu Pellkartoffeln wurde eine „Tunke“ wie folgt bereitet:
Tunkauer
Speck und Zwiebeln wurden gewürfelt und goldgelb gebraten. In das Bratfett wurde Mehl gegeben, gut angebräunt, das Ganze mit kaltem Wasser abgelöscht und unter ständigem Rühren so lange aufgefüllt, bis eine dicke Tunke entstanden war, in die man die Kartoffelstückchen zum Essen „eintunkte“.

Es folgen zwei modernere, schon etwas anspruchsvollere Gerichte.
Pampernickel
Mit Apfel- und Zwiebelstückchen, Nelken, Zucker, Salz, Essig und etwas Fett (Leinöl, Schmalz, Butter, Margarine) gekochter Rotkohl wurde mit Kartoffelbrei vermengt. Obenauf kamen angebratene Scheiben von Knackwürsten, kurz: Knackern.
Gequirlte Eier süßsauer
Wasser wurde mit Lorbeerblatt, Piment und Salz aufgekocht. Dann rührte man die zerquirlten Eier hinein und dickte das Ganze mit gebräuntem Mehl an. Zuletzt gab man gekochte Kartoffelstückchen hinein. Abgeschmeckt wurde mit Zucker und Essig. Nicht nur bei diesem Eintopf ersetzten ausgelassene Speckwürfel das Fleisch.

(08.07.2011. Notiert und eingesandt von Helga Heinze aus Krauschwitz.)


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