Akazienblüten à la Pückler
Ein Rezept für den Frühling
Von Bernd-Ingo Friedrich
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Wenn das neue Oberlausitzer Hausbuch erscheint, ist es gewöhnlich schon etwas kalt, und bald darauf wird es dann richtig kalt. Mit der schönen Aussicht auf die Weihnachtsfeiertage mit Rotwein, Rum, Räucherstäbchen und Rosinen macht man es sich des abends wieder im Wohnzimmer gemütlich und freut sich seiner - Wärmequelle. Man rubbelt sich noch ein bißchen tiefer in seine Sitzkissen ein, und wer so klug war, sich rechtzeitig mit einem Hausbuch zu versorgen, kann sich nun in etwas Erbauliches vertiefen. Möglicherweise stößt er dabei auf einen Beitrag, der ihn zu angenehmen Träumereien verleitet, in denen duftende Blumen, gaukelnde Schmetterlinge, zwitschernde Vögel, ein rufender Kuckuck (aufs Portemonnaie klopfen!) und andere schöne Dinge vorkommen, die ihn Schnee und Eis und Kälte vergessen lassen. Das könnte zum Beispiel das folgende Rezept sein, denn seine wichtigste Zutat beschert uns der Frühling. Es sind Akazienblüten, zubereitet à la Pückler. Im Gegensatz zu dem Eis, für das er berühmt ist, obwohl er es nicht erfunden hat, sollen die weniger bekannten gebackenen Akazienblüten tatsächlich den Fürsten Pückler zum Urheber haben.

Akazienblüten à la Pückler,
ein Rezept für die Monate Mai und Juni nach Maus/ Kallenbach, Bekannte Speisen richtig zubereitet, Berlin 1984, Kapitel „Pückler-Eis“:
„Die Dolden abwaschen, abtropfen lassen, mit Zucker bestreuen, durch Beignetteig ziehen, in schwimmendem Fett ausbacken, mit viel Zucker und etwas Zimt bestreuen und servieren.“ Das Rezept für den Ausbackteig ist dem Kochbuch entnommen, mit dem vielleicht in der Küche von Schloß Branitz gearbeitet wurde, und zwar Die Küche von C. F. Klein, erschienen 1850 in Mainz. Es ist das Rezept Nr. „1919. Ausbackteig. (Pâte pour fritures). Ein Pfund Mehl rühre man mit einem Schoppen lauwarmen Bieres oder weißen Weine mit zwei Eßlöffeln feinem Olivenöl oder ebenso vieler, zerlassener Butter zu einem glatten Teig an, welcher nachdem mit dem fest geschlagenen Schnee von drei Eiweiß vermischt wird. Dieser Teig muß so dick sein, daß er sich stark messerrückendick an die zum Ausbacken bestimmten Gegenstände anlegt.“
Für den normalen Haushalt läßt sich das Rezept ein wenig vereinfachen, indem man an Stelle des Eiweißes das ganze Ei verwendet. Das Rezept sieht dann etwas anders aus, und zwar: ¼ Liter Flüssigkeit (Bier oder Weißwein) wird mit 2 Eiern, 250 Gramm Mehl, 40 Gramm Zucker, 40 ml Öl, Salz und etwas Zitronenschale verrührt und so weiter.
Das Rezept erinnert an die gebackenen Holunderblüten, die man mitunter als „Fliederkrapfen“ in alten Kochbüchern findet. Hier werden anstelle der Akazien- die Holunderblütendolden gebacken. Für dieses Gericht genügt zur (Zeit-)Not auch ein einfacher, etwas flüssigerer Eierkuchenteig. Man legt die Dolden einfach blütenunter, stielüber in die Pfanne mit dem erhitzten Bratfett und gießt den Teig an. Gegessen werden die Dolden mit Messer, Gabel und Schere: Die Schere braucht man zum Abschneiden der Stiele.
Ganz allgemein findet man derartiges Gebäck, das auch Kirschen, Apfelringe oder anderes Obst enthalten kann, unter der Bezeichnung „Beignets“ in fast allen guten Kochbüchern.
Guten Appetit!
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(Das Rezept für die Akazienblüten à la Pückler ist in dem Kapitel "Gerichte à la Pückler" des in Vorbereitung befindlichen Fürst-Pückler-Kochbuchs enthalten.
In das Oberlausitzer Hausbuch 2008 wurde es wie die "Weihnachtsgeschichte" nicht aufgenommen; kommentarlos - wie üblich.)
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